Das einst königliche Bayerische Staatsbad Bad Höhenstadt
Bad Höhenstadt 123
94081 Fürstenzell
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Inmitten des niederbayerischen Bäderdreiecks gab es einst ein besonderes Heilbad, das viele Jahrtausende dem Heile der leidenden Menschen gedient hat.
Jenes Höhenstadt, dessen Schwefelbrunnen und schwefeliger Schlamm einst Mensch und Ross heilte, kann nur noch von seiner rühmlichen Vergangenheit erzählen.
Die wechselvolle Geschichte des bäuerlichen Dorfes beginnt bereits in der Steinzeit. Etwa 5000 v. Chr. kamen die „Linienband-Keramiker“, Deutschlands erste Bauern. Diese verwandelten fruchtbare Flur in einen Garten Eden und bauten ihre Flechtwerkhütten in unmittelbarer Nähe dieser natürlichen Heilmittel. Dieses Gebiet ist eine wahre Schatztruhe der Archäologie. Viele Spuren deuten darauf hin, dass unsere Vorfahren die Heilmittel, Schwefelwasser und Moor kannten und nutzten. Die Leute der „Altheimer Kultur“ errichteten etwa 2500 v. Chr. in einer stadtähnlichen Siedlung in unmittelbarer Nähe der Schwefelquellen ihr Heiligtum, den so genannten Sonnentempel oder Kalenderbau. Diese Kreisgrabenanlage hatte zwei Gräben und war mit hölzernen Palisaden eingegrenzt. Der äußere Durchmesser betrug etwa 95 Meter. Ein schönes Fundstück, ein tönerner Wasserkrug aus dieser Zeit, ist bemerkenswert. Ein besonderes Exemplar ist auch der Höhenstädter Feuersteindolch. Eine Autopsie des verarbeiteten Rohstoffs ergab ohne jeden Zweifel, dass es sich um ein Material oberitalienischer Herkunft handelt, und zwar jenes Vorkommen, von dem auch der weltberühmte „Ötzi“ seinen Silex (Feuerstein) bezog: aus Ceredo in den lessinischen Bergen nördlich von Verona.
Etwa 400 v. Chr. breiten sich in Höhenstadt die Kelten aus. Bisher wurden um Höhenstadt drei keltische Viereckschanzen (Heiligtümer) entdeckt. Darin sollen Druiden, sie waren die Lehrer und Vertreter der Religion, ihre Zeremonien und Kulthandlungen abgehalten haben. Außerdem beschäftigten sie sich mit der Unsterblichkeitslehre, mit den Gestirnen und der Natur und vor allem mit der Macht der Götter. Der Kelte suchte und fand das göttliche Walten in Quellen und heiligen Hainen. Ob das Schwefelwasser als Zaubertrank diente, ist reine Spekulation. Doch wenn es Kranke heilte, war die Schwefelquelle bestimmt ein Platz göttlicher Macht, an dem der Unterwassergott ein besonderes Ritual erfuhr.
Etwa 400 v. Chr. breiten sich in Höhenstadt die Kelten aus. Bisher wurden um Höhenstadt drei keltische Viereckschanzen (Heiligtümer) entdeckt. Darin sollen Druiden, sie waren die Lehrer und Vertreter der Religion, ihre Zeremonien und Kulthandlungen abgehalten haben. Außerdem beschäftigten sie sich mit der Unsterblichkeitslehre, mit den Gestirnen und der Natur und vor allem mit der Macht der Götter. Der Kelte suchte und fand das göttliche Walten in Quellen und heiligen Hainen. Ob das Schwefelwasser als Zaubertrank diente, ist reine Spekulation. Doch wenn es Kranke heilte, war die Schwefelquelle bestimmt ein Platz göttlicher Macht, an dem der Unterwassergott ein besonderes Ritual erfuhr.
Da in der Nähe der Schwefelquellen neben Graphittonscherben auch noch Münzen, Silber- und Bronzeschmuck, Glasarmringe und Augenperlen aus Glas gefunden wurden, lässt eine starke Nutzung des Schwefelwassers erahnen.
Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer unser Gebiet. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts wanderten die Bajuwaren in unser Land ein und ließen sich hier in den Talauen des Sulzbaches nieder.
Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer unser Gebiet. Um die Mitte des 6. Jahrhunderts wanderten die Bajuwaren in unser Land ein und ließen sich hier in den Talauen des Sulzbaches nieder.
Höhenstadt wird erstmals im Jahr 788 urkundlich benannt, die Schwefelquelle im Jahr 1334 erstmals erwähnt.
Höhenstadt war im Ausgang des Mittelalters ein beliebter Wallfahrtsort. Die heilbringenden Quellen, „die stünchenden Brunnen“, sahen die Pilger als besonderen Gnadenerweis der Gottesmutter. Der Pilgerstrom aber ließ auch deutlich nach, als zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Wallfahrt nach Sammarei bei Ortenburg aufkam. Erloschen ist sie auch im 17. und 18. Jahrhundert nicht. Auch die Tatsache, dass im Jahr 1780 für das Gnadenbild ein neuer Altar errichtet wurde, spricht für die Lebendigkeit der Wallfahrt zu dieser Zeit.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg überstrahlte „Unsere Liebe Frau von Sammarei“ die liebliche Himmelskönigin von Höhenstadt. Da ist den Fürstenzeller Patres etwas anderes eingefallen. Sie erinnern sich an die von den Leuten seit jeher hochgeschätzte Heilquelle, ließen diese neu fassen und machten das Bad allmählich berühmt.
1713 erscheint in Vilshofen ein Büchlein, das sich „Marianischer Heyl- und Gnadenbrunnen“ nennt. Das ist, heißt es weiter in dem barocken Titel: „Eine kurze Beschreibung des neu entdeckten Wildbads bei dem wundertätigen Gnadenbild „Unserer Lieben Frau im Turm“ zu Höchenstatt in Niederland Bayern, nächst dem löblichen Kloster Fürstenzell gelegen. In Druck gegeben durch Herrn Johann Andrä Mayr, Philosophiae nec non saluberrimae Medicinae Doctorem, Stadtphysikum in Vilshofen.“ Dr. Mayr war Freund und Hausarzt des Hochwürdigsten Herrn Prälaten Abundus II., Abtes von Fürstenzell.
Bad Höhenstadt verdankt also seine Existenz als Bad diesen beiden Männern.
1726 findet sich in der Barockzeit eine illustre Gästeliste bei Dr. Mayr von Badegästen sowohl geistlichen als auch weltlichen Standes.
1783 baut Abt Otto Prasser von Fürstenzell das steinerne Badhaus. Der Leibarzt seiner Gnaden, der Cand. Med. Franz Xaver Pachmayr, schrieb im Jahr 1771 ein ganzes Kapitel über die Anwendungen des „Hechenstädtischen Gesundbrunnen“. Dabei beschreibt er den Nutzen des Badbrunnens in den unteren Leibeshöhlen. Wer aber „auf den Lungen ein Anliegen empfindet“, der sollte nicht baden, sondern eher trinken. Pachmayr besaß den stärksten Glauben an die Heilkraft des Höhenstädtischen Gesundbrunnens. Er könnte vor allem helfen gegen das Hauptweh der Menschheit, gegen die Schlafsucht und die damit verbundenen Übel des geschwächten Gedächtnisses. Auch gegen verstopfte Ohren, Nasen und Augen sollte es gut sein. Der Tanz wurde „als ein unschädliches Erheiterungsmittel“ empfohlen. Verboten wurde aber kategorisch jede Ausschweifung in der Liebe, sowohl während als auch noch einige Zeit nach der Kur.
1803 ersteigert nach der Säkularisation der Dorfschuster Benedikt Wiesner das Badhaus. Er betrieb es zusammen mit seinem Sohn und hatte einen großen Zulauf in der napoleanischen und Biedermeierzeit.
1830, das Kurhaus wird Königlich – Bayerisches Staatsbad.
1803 ersteigert nach der Säkularisation der Dorfschuster Benedikt Wiesner das Badhaus. Er betrieb es zusammen mit seinem Sohn und hatte einen großen Zulauf in der napoleanischen und Biedermeierzeit.
1830, das Kurhaus wird Königlich – Bayerisches Staatsbad.
Die „Spuren“ die König Ludwig I. in Bayern hinterließ, finden sich nicht nur in der Erinnerung an ihn als beherzten Widersacher von Napoleon Bonaparte und Sympathisant des Tiroler und griechischen Freiheitskampfes, als Förderer und Mäzen der Künste, als Bauherr, der das Stadtbild von München prägte und der München zu einem europäischen Zentrum von Kunst und Wissenschaft machte, sondern auch als glühender Verehrer des schönen Geschlechts. Die „Spuren“ Seiner Königlichen Hoheit, Ludwig I., finden wir aber auch in Bad Höhenstadt. Als der König am 9. Mai 1830 in der Villa Colombella bei Perugia in Italien weilte, erhielt er Post des königlichen Staatsministeriums im Innern vom 1. Mai „Das Bad Höhenstadt betreffend“. Darin schildert das Ministerium die bisherigen Bemühungen um die Emporbringung des Bades sowie die Verhandlungen über den Ankauf durch den Staat. Der treugehorsamst Unterzeichnete erlaubt sich hierzu nachstehendes zu bemerken: Die Vortrefflichkeit der Höhenstädter Heilquelle ist durch den allgemeinen Ruf und durch das von der physikalischen Klasse der Akademie der Wissenschaften über den Badschlamm der bezeichneten Quellen abgegebenen Gutachten vollkommen bestätigt. Bayern besitzt kein zweites Bad dieser Art, so dass mit ziemlicher Gewissheit angenommen werden kann, dass die bisher unterlassene aber künftig einzuführende Anwendung des Badeschlammes den Ruf der Badeanstalt in kurzem noch sehr erhöhen wird. Sollte diese Quelle jedoch den ihren von der Natur angewiesenen Rang einnehmen und zum Heile der leidenden Menschheit sowie zur Vermehrung des Nationalwohlstandes hergestellt werden, so kann dies nur geschehen, wenn der Staat sie erwirbt, wozu sich gegenwärtig die schönste Gelegenheit darbietet.
Seine Königliche Hoheit König Ludwig I. überfliegt den Bericht und den Antrag des königlichen Staatsministeriums und wirft einen nachdenklichen Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Wie ein Gemälde breitet sich unter ihm die Landschaft Mittelitaliens aus. Grüne, zypressengekrönte Hügel, braune Weinfelder, darüber ein strahlend blauer Himmel, in dem sich weiße Wolkenknäuel schieben. Liegt nicht auch besagtes Höhenstadt bei Passauer in einer anmutigen, kraftvoll bäuerlichen Landschaft?
Jenes Höhenstadt, dessen Schwefelbrunnen und schwefeliger Schlamm Fußübel von Mensch und Ross seit dem 14. Jahrhundert heilen, dessen heilsames Wasser seit 1719 in einem festen Badehaus des ehemaligen Klosters Fürstenzell Reichen und Armen Linderung bringt.
Jenes Höhenstadt, für dessen Erwerb sich der König gegen den hartnäckigen Widerstand der Bedenkensträger aus dem königl. Staatsministerium der Finanzen so nachhaltig einsetzte. König Ludwig zögerte nicht mehr lange und fügt dem Dokument hinzu: „Diesen Ministerial-antrag genehmigt, Ludwig.“ Mit dieser Unterschrift beginnt die Ära des Staatsbades Höhenstadt. Wenige Stunden später eilt der Kurier durch die Hügellandschaft Umbriens. Er trägt in seinem Gepäck die Aufforderung an die Regierung in München, in konkrete Verkaufsverhandlungen mit dem jetzigen Badinhaber von Höhenstadt einzutreten. Schon am 1. Oktober 1830 verkaufte B. Wiesner sein Bad für 29000 Gulden an den Staat.
Die Neuplanungen nahmen ihren Anfang. Hofbaumeister Klenze wollte an den vorhandenen Gebäuden nichts verbessern. Sie schienen ihm zu elend und ebenso mangelhaft hielt er auch das Mobilar. Die Planungszeit dauerte fast neun Jahre, da Pläne aus Kostengründen immer wieder geändert werden mussten. Im fernen Italien fallen für Höhenstadt wichtige Entscheidungen. Dem Grundplan fügt der Reisebegleiter des Königs, Friedrich von Gärtner, neue architektonische Motive hinzu.
„Dieser von mir veranlasste Entwurf zur Erweiterung des Badgebäudes in Höhenstadt soll ausgeführt werden“ schreibt König Ludwig I. am 27. April 1839 im sonnigen Pannolla auf der Insel Ischia an den Rand der Zeichnung. Schließlich genehmigt er endgültig am 8. Mai 1839 in Rom den auf sein Geheiß entworfenen Plan.
Im Sommer 1842 kann das neue Kurhaus, mit Baukosten von 32000 Gulden, seiner Bestimmung übergeben werden.
Der 1848 installierte Dampfapparat zur Aufbereitung des heißen Wassers, des Badeschlamms und vor allem der heißen Dampfbäder gilt lange Zeit als technisches Wunderwerk. Es können „zur gleichen Zeit 16 Personen höherer Stände und 19 von den ärmeren Classen separiert baden“. Insgesamt verfügt das neue Kurhaus über 44 Zimmer, in denen bei normaler Belegung 67, maximal auch an die 90 Gäste untergebracht werden können.
In einer Bekanntmachung des Jahres 1856 wird besonders darauf verwiesen, dass die meisten Zimmer heizbar sind. Im Dachboden befinden sich Verschläge zur Unterbringung des weiblichen Dienstpersonals
1871 verkaufte König Ludwig II. das Staatsbad Höhenstadt.
Die geringe Frequenz des Bades seit dem Jahr 1865 ist der faktische Beweis, dass dasselbe sozusagen aus der Mode gekommen ist. Die Ursachen liegen in den Zeitverhältnissen und schienen nicht nur vorübergehender Natur zu sein. Diese Zeitverhältnisse sind wohl auch im Desinteresse König Ludwig II. und der Regierung am Bäderwesen überhaupt begründet. Abgesehen von den Kriegsereignissen der letzten Jahre, sowie die Schließung der Deutschen Spielbanken im Deutschen Reich, werden drei wesentliche Gründe für den Niedergang vom Bad in Höhenstadt angeführt.
Erstens, die Konkurrenz bestehender und vieler neue Bäder, die, an Eisenbahnlinien gelegen, einen erheblichen Standortvorteil aufweisen.
Zweitens, die nur stundenweise Anwesenheit des Badearztes aus Fürstenzell, die keine intensive Betreuung der Badegäste zulässt.
Drittens, der Wegfall der Monopolstellung von Gastwirtschaft, Metzgerei, Bäckerei und Lohnkutscherei nach der Einführung der Gewerbefreiheit von 1862 und das damit verbundene gesunkene Interesse des Badepächters am Betrieb.
Nicht zu vergessen, dass der König auch das Geld für seine Schlösser brauchte.
Das Bad kaufte für 25000 Gulden der Privatier Wilhelm Straßner aus Bamberg. Das Bad wechselte in der Folgezeit mehrmals die Besitzer und Pächter. Auf Briefmarken wurde für das Bad mit dem Konterfei des Prinz-Regenten Luitpold, der nun an Stelle von König Ludwig II. das Land regierte, Werbung betrieben. Er war ein guter und sypathischer Werbeträger für das einst königl. Staatsbad Höhenstadt. Bleibt zu erwähnen, dass der Ort Höhenstadt seit 1925 den Titel „Bad“ führen durfte. Während des 2. Weltkrieges waren die Eheleute Alois und Anna Baumgartner die Badebesitzer. Sie mussten den Kurbetrieb einstellen, da das Kurhaus 1940 als Lazarett benötigt wurde. Vielen verwundeten Soldaten hat das Schwefelwasser auch in diesen schweren Zeiten geholfen. 1945 wird das Kurhaus Flüchtlingslager. Mit den wenigen Habseligkeiten ziehen die Flüchtlingsfamilien nach Bad Höhenstadt.
Zu dieser Zeit hatte der Ort 1559 Einwohner, davon 749 Flüchtlinge.
Durch die Zweckentfremdung wurde das Kurhaus stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein jahrelanger Rechtsstreit mit den zuständigen Behörden bezüglich der Reparaturen und familiäre Schicksalsschläge machten einen weiteren Kurbetrieb unmöglich. Somit war die letzte Kurhausbesitzerin gezwungen, die Gebäude zu verkaufen. Leider gelang es nie mehr, die über Jahrhunderte gewachsene alte Badetradition von Bad Höhenstadt zu neuem Leben zu erwecken. Schade, denn die natürlichen Heilmittel Schwefelwasser und Moor warten darauf, den kranken Menschen helfen zu dürfen, so, wie sie dies viele Jahrtausende taten.
