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Fürstenzell




Blasen - das ehemalige Wendelkirchen

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Der Ort wird als „Wendelkirchen“ um das Jahr 1140 in einer Urkunde des Klosters Aldersbach erwähnt. Der Name lässt vermutlich auf vorbajuwarische Siedler schließen, sicher aber darauf, dass zu dieser Zeit bereits ein Kirchenbau existierte. In den amtlichen Güterverzeichnissen des Kurfürstentums Bayern von 1752 heißt der Ort noch Wendelkirchen. In der Folgezeit hat sich nach Sankt Blasius, dem Patron der Kirche, die auch den 14 Nothelfern geweiht war, die Ortsbezeichnung „Blasen“ eingebürgert. Die Kirche, eine Filialkirche des Klosters Fürstenzell, wurde um 1400 von einem Konventualen des Klosters im gotischen Stil erbaut, erhielt aber erst 100 Jahre später ihre endgültige Gestalt. Die Abbildung im Grundbuch des Klosters von 1474 zeigt einen Bau bestehend aus Chorraum, einem Hauptschiff mit zwei Jochen, einem Glockenturm und zwei Vorräumen. Um die Kirche lag der Friedhof, der mit einer 140 Meter langen Mauer umgeben war. In der Kirche wurde an zwei Tagen der Woche von einem Konventualen eine Heilige Messe gefeiert. Nach der Aufhebung des Klosters 1803 wurde die Kirche zur Versteigerung ausgeschrieben. Gegen den Widerstand der Bevölkerung wurde sie 1811 abgebrochen. Die Steine dienten zum Bau des Pfarrhofs von Höhenstadt. Von der Ausstattung gelangten die spätgotischen Figuren des Hl. Blasius und des Hl. Rochus in die dortige Pfarrkirche.
Die Kirche von Blasen war im ausgehenden Mittelalter Mittelpunkt einer großen Wallfahrt der bäuerlichen Bevölkerung aus der Umgebung. Sie wurde alljährlich mit einem Pferdeumritt begangen. Aus einer Urkunde vom Jahre 1505 ist zu ersehen, dass alle Naturalien, die aus Anlass der Wallfahrt gespendet wurden, bei der Kirche verbleiben durften, die Geldspenden dagegen an das Kloster abgeliefert werden mussten.
Von der Kirche und dem Friedhof ist nicht die geringste Spur erhalten geblieben. Man weiß nicht einmal mehr, wo sie gestanden ist. Blasen – Wendelkirchen – ein stummes Zeugnis für eine kirchen- und glaubensfeindliche Epoche unserer Geschichte.