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Fürstenzell




Klosterbibliothek

Wegen Verkauf des Gebäudes bis auf weiteres geschlossen.

Marienplatz

94081 Fürstenzell

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Der vorletzte Abt des Klosters Fürstenzell Otto Prasser (1761-1792) unternahm größte Anstrengungen, das Kloster zur Feier des 500-jährigen Bestehens im Jahre 1775 baulich zu erneuern und zu verschönern. So versah der rührige Abt Otto alle Klostergebäude, die bis dahin einstöckig waren, mit einem zweiten Obergeschoss. Zwei geräumige Treppenhäuser, ein neues Refektorium, ein Festsaal und eine Bibliothek sollten den herrschaftlichen und repräsentativen Charakter der Klosteranlage unterstreichen.
Den Auftrag für die künstlerische Ausstattung des neuen Büchersaales erhielt um 1765 Joseph Deutschmann, der Inhaber der Klosterbildhauerwerkstätte von St. Nikola bei Passau.
Der aus Imst in Tirol stammende Deutschmann, der in Kirchen und Schlössern Ostbayerns viele bedeutende Werke hinterlassen hat, schuf mit der Bibliothek in Fürstenzell an der Wende von Rokoko zum Klassizismus wohl sein gelungenstes Werk. Die zweigeschossige Architektur mit den zwei Aufgangsportalen ist von großer Originalität und bildhauerischer Qualität. Einmalig ist der ungewöhnlich reiche Figurenschmuck der Bibliothek: 12 kraftvolle Atlanten stützen die Balustrade und 36 höchst originelle und humorvolle allegorische Figuren tummeln sich auf den Regalen. Mit ihren Attributen weisen sie auf Tugenden und Laster sowie auf die verschiedenen Themen der Bücher in den Schränken hin. Kunstvolle Vasen, welche die Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft und die vier Jahreszeiten darstellen, zieren die Balustraden.
Das Nebeneinander von Qual der Atlanten und dem ausgelassenen Treiben der Putten ist ein Kennzeichen barocker Kunst, Weltsucht und Weltflucht in einem.
Der Buchbestand der alten Zisterzienserbibliothek wurde wenige Jahrzehnte nach Erbauung der Bibliothek durch die Säkularisation in alle Winde zerstreut. Die Bücher, welche sich jetzt in der Bibliothek befinden, wurden von den Patres der Gesellschaft Mariens seit 1931 angeschafft und eingestellt.
Vier Generationen der Familie Wieninger, den privaten Eigentümern der Klostergebäude von 1803 bis 1928, ist die Erhaltung der Bibliothek zu verdanken; natürlich auch den Maristenpatres, die sie seit 1931 wieder ihrem ursprünglichen Verwendungszweck zugeführt haben.
Von Fachleuten im In- und Ausland wird die Fürstenzeller Bibliothek hoch geschätzt. Der englische Bibliothekswissenschaftler Anthony Thompson rechnet sie zu den 10 bedeutendsten barocken Klosterbibliotheken im süddeutsch-österreichischen Raum.
 
Wegen Verkauf des Gebäudes ist die Klosterbibliothek bis auf weiteres geschlossen!!